Belgrad-Tour

Roter Stern gegen Partizan, das „Ewige Derby“ in Serbiens Hauptstadt Belgrad, eines der hitzigsten Fußballduelle Europas, wenn nicht gar weltweit. Die Vorfreude war groß, als man sich am Vorabend des großen Spiels zu viert im Opel Corsa auf den Weg machte und den Navigationscountdown beim Stand von rund 1.350 Kilometern in Gang setzte. Süddeutschland, Österreich und Ungarn waren in der Dunkelheit der Nacht durchquert worden, ehe im dichten morgendlichen Spätherbstnebel ein Grenzer mit dem Doppeladler auf der Uniform die bedrückende Atmosphäre an der ungarisch-serbischen EU-Außengrenze ein wenig aufzuhellen vermochte. „Ah… Derby!“, lautete sein schelmischer Kommentar zu unserem Reiseziel, was uns vor den letzten rund 200 verbliebenen Kilometern noch einmal zusätzlich erheiterte. In der serbischen Metropole angekommen führte der erste Weg dann auch schnurstracks zum Marakana, wie das Stadion Crvena Zvezda aufgrund seiner so behaupteten architektonischen Ähnlichkeit zum Estádio do Maracanã in Rio de Janeiro liebevoll auch genannt wird. Zur frühen Stunde waren hier bereits einige stabile Gestalten unterwegs, doch weder der Erwerb unserer 10.000 RSD teuren Haupttribünenkarten, noch ein kleiner Schwenk durch den Delije-Laden oder das Schießen einiger Leerfotos während laufender Choreovorbereitungen weckten irgendeine Form von Argwohn. Nach dem erfolgreichen Erledigen aller Aufgaben war es dann höchste Zeit, die Segel in Richtung Omladinski Stadion, der Heimspielstätte von OFK Beograd zu setzen, denn der fußballerische Aufgalopp sollte bereits gute drei Stunden vor der Schlacht der Schlachten mit einem die Massen etwas weniger elektrisierenden Schaulaufen starten.

OFK Beograd – FK Čukarički 4:1

Dass die Zurückhaltung im Stadionumfeld allerdings dermaßen grassieren würde, damit war nicht zu rechnen, und auch uns wenigen Interessierten wurde zunächst einmal der Zugang versperrt. Gähnende Leere, geschlossene Kassen, Geisterspiel lautete die so simple wie ärgerliche Erklärung für die gespenstische Ruhe, verhängt aus unbekannten Gründen. Kein guter Start ins Fußballprogramm des Derbytags, doch immerhin war der Stadioneinlass trotz außergewöhnlich hohen internationalen Andrangs und der Kurzfristigkeit unseres Vorstelligwerdens nur Verhandlungssache. Wohl mehr deutsche als serbische Kollegen der tatsächlichen und fiktiven Berichterstattung waren es kurioserweise, die dem Vorgeplänkel letztlich beiwohnten. Dem gemeinen OFK-Fan blieb hingegen nichts anderes übrig, als den zu keiner Zeit gefährdeten Heimsieg seiner Mannschaft bei Nieselregen von außerhalb zu beklatschen.

FK Crvena Zvezda – FK Partizan 1:2

Ein Taxi musste her, um bei stärker werdenden Niederschlägen durch die grauen Wohnblöcke von Belgrad so schnell wie möglich zum Marakana zurückzukehren. Je näher wir dem größten Stadion Serbiens kamen, desto massiver und martialischer wurde das Polizeiaufgebot, desto größer die Anzahl junger Männer in schwarzer Kleidung, desto sportlicher der durchschnittliche Haarschnitt. Dennoch blieb soweit erkennbar alles ruhig und wir begaben uns ins Innere des erhofften Hexenkessels. Die beiden Kurven waren bereits ordentlich bevölkert und verzeichneten bis zum Anpfiff regen Zulauf, während die dem Regen ausgesetzten unteren Bereiche der Haupttribüne und Gegengerade größtenteils verwaist blieben. Am Ende dürften es trotzdem über 30.000 Zuschauer gewesen sein, die dem entgegengefieberten Lokalduell einen würdigen Rahmen verleihen sollten. Erste akustische Duftmarken aus dem Gästeblock, immer wieder begleitet von in den Innenraum geschleuderten Sitzschalen, wurden mit einem gellenden Pfeifkonzert und brachialen Hassgesängen gekontert. Es war angerichtet für das 137. Večiti Derbi Roter Stern gegen Partizan. In der Kurve der Delije kam zum Intro zunächst lediglich eine kleine runde Blockfahne zum Vorschein. Gegenüber gingen die Grobari hingegen gleich in die Vollen, begrüßten beide Mannschaften mit einem Meer aus weißen Wurfrollen und entzündeten dahinter ein imposantes Feuerwerk aus Breslauern, Blinkern, Bengalos und Böllern. Nun nahm auch die Heimkurve an Fahrt auf, vollendete ihre Choreografie mit roten und weißen Fähnchen und erhöhte die Lautstärke um ein Vielfaches. Minutenlang Tausende Fahnen mit vereinzelter Pyrotechnik auf der einen Seite, geschlossene Hüpfeinlagen auf der anderen – und dann das erste Mal Ekstase. Bereits in der 4. Spielminute ging der Vorjahresmeister mit 0:1 in Führung, brachte sich unmittelbar vor der Halbzeitpause mit einem Eigentor sowie kurz nach dem Wiederanpfiff mit einem Platzverweis für den gleich doppelten Unglücksraben jedoch selbst in Verlegenheit. Der Rote Stern schien nun obenauf zu sein, ein paar Fackeln wurden angerissen, derbe Schlachtrufe und geschlossene Klatscheinlagen gen Spielfeld geschmettert, doch mitten in der Drangphase der Heimelf gelang Partizan trotz eigener Unterzahl in sehenswerter Weise der erneute Führungstreffer. In der Gästekurve brachen nun alle Dämme. Zunächst wurde die gerade vorbereitete Choreo bestehend aus einem Zettelmuster und überdimensionalen Doppelhaltern mit dem Schriftzug „НУСКНВП“, die Abkürzung für den Grobari-Slogan „Lass jeden sterben, der Partizan nicht mag“, gezeigt. Auf der Tartanbahn hatte die knallgelb gekleidete Feuerwehr inzwischen bereits einen ansehnlichen Berg herausgetretener Sitzschalen angehäuft, doch nun begannen die Abrissarbeiten der Totengräber am Stadion von Roter Stern erst richtig. Je näher der Abpfiff rückte, desto mehr Freudenfeuerchen wurden überall im feiernden Block verteilt gezündet. Hier und da loderten nach und nach stattliche Brände, welche die Brandschutzmeister vom Innenraum aus mit Wasserschläuchen zu bekämpfen versuchten. Diese Aktion rief neben einem neuerlichen Sitzschalenhagel einige ganz Hartgesottene auf den Plan, die sich bei durchaus schon winterlichen Temperaturen oberkörperfrei schützend vor die Flammen stellten. So war auf den Rängen wie zu erwarten mehr geboten als auf dem Rasen, wo das Spiel mehr und mehr vor sich hinplätscherte und Partizan im Stile einer Spitzenmannschaft den knappen Vorsprung über die Zeit rettete. Schluss, aus und vorbei. Der prestigeträchtige Sieg über den verhassten Erzrivalen wurde in und vor dem Gästesektor denn auch gebührend gefeiert, wo sich einige Gästespieler in Italienmanier bis auf die Unterhose entblätterten und der Derbytriumph so manchem der Akteure emotional sichtlich naheging. Partizan dürfte somit auf wie abseits des Platzes als Sieger dieses Tages hervorgegangen sein.

Am folgenden Morgen war bereits wieder der Zeitpunkt des Abschieds gekommen, doch eine fußballfreie Rückfahrt sollte es selbstverständlich auch nicht werden. Die Qual der Wahl trieb uns ins slowakische Städtchen Nitra, ein Spielort mit überschaubarem Umweg.

FC Nitra – MFK Dubnica 0:1

Im einzigen Sonntagsspiel in der slowakischen Eliteliga traf der heimische FC Nitra auf den MFK Dubnica. Hinsichtlich des Zuschauerinteresses ein ordentliches Kontrastprogramm zum Derbyspektakel am Vortag, doch das Štadión pod Zoborom war den Besuch trotzdem wert und verfügte im Hintergrund mit der Nitriansky Hrad, der Burg von Nitra, über einen netten Blickfang. Der entscheidende Treffer der Partie fiel bereits in der 28. Spielminute, als die Gäste aus dem nahen Dubnica nad Váhom jubeln durften und fortan alle Gegenangriffe der Heimelf erfolgreich abwehrten. Alles in allem der abrundende Ausklang einer sauberen Tour, die irgendwann zwischen Sonntagnacht und Montagmorgen in den heimischen Gefilden ihr Ende fand.

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Fünf Stadien…

… in Tschechien

Stadion Juliska – Praha

Městský Stadion v Kotlině – Varnsdorf

Stadion na Plynárně – Praha

Městský Stadion u Ploučnice – Česká Lípa

Stadion Střelnice – Jablonec nad Nisou

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Pivo & Klobása Action

In Tschechien gehören sie zu einem Spielbesuch wie das Tornetz ans Gestänge: Pivo und Klobása, zu Deutsch Bier und Wurst, sind spätestens ab 10:15 Uhr vormittags unverzichtbarer Bestandteil der Tageskarte eines jeden geneigten Fußballreisenden. Während das eiskalte Pivo gerne im stilvollen Wabbelbecher serviert wird, reicht man die Wurstspezialität von Kümmelbrot sowie verschiedenen Senf- und Meerrettichsorten flankiert mit Vorliebe auf Pappe. Seit geraumer Zeit schon floriert ein wahrer Kult um die unbestritten hervorragenden Erzeugnisse der böhmisch-mährisch-schlesischen Braukunst und die bereits für über Fanzines ausgefochtene Wettessen herangezogenen Fettschläuche. Auch wenn sie dem landestypischsten aller Essen, dem schönen tschechischen Grillschinken, sicherlich nicht das Wasser reichen kann, sorgt die eine oder andere Klobása doch für eine nahrhafte Grundlage, auf der man sich dann in diversen Kneipen, Herna-Bars und sonstigen Lokalitäten auch mal besser geben kann, als man eigentlich ist.

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FK Velež Mostar – HŠK Zrinjski Mostar

FK Velež Mostar – HŠK Zrinjski Mostar 1:0

Bosnien und Herzegowina  |  Mostar  |  Stadion Vrapčići
Premijer Liga (1. Liga)

Nach einem gemütlichen Umtrunk in München und dem kulturellen wie fußballerischen Tourstart im alten und neuen Zagreb wurde ich am frühen Samstagmorgen mit zwei Nachtbussen in den Knochen etwas zerzaust an den Ufern der Neretva angespült. „Autobusni Kolodvor Mostar“ kündete es draußen, na dann mal nichts wie raus. Dass die Umgebung so gar nicht zu den vorbereitend getätigten Aufzeichnungen passte, schob man zunächst noch auf den eigenen Dämmerzustand, doch als an der nächsten Hauswand auch noch den Kriegsopfern von Vukovar gedacht wurde war klar, dass man doch glatt auf der falschen Flussseite ausgestiegen war. Woher soll man es auch besser wissen, wenn sich beide Busbahnhöfe gleich nennen? So ging es früher als gedacht über das herrlich kristallblaue Gewässer und nach kurzem Sammeln auf in die Altstadt. Meiner Meinung nach ist Mostar eine der schönsten Städte auf dem Balkan, wenn nicht ganz Europas. Neretva, Velež und Čabulja, Moscheen und Kirchen, eine bunte Mischung verschiedener Kulturen und natürlich die Stari Most ergeben zusammen eine wahre Augenweide. Dabei ist das Trauma des Bosnienkrieges, in dem 1993 auch das Mitte des 16. Jahrhunderts von den damals herrschenden Osmanen erbaute Wahrzeichen völlig zerstört worden war, noch gar nicht so lange her und erst im Jahr 2004 konnte der originalgetreue Wiederaufbau der Brücke abgeschlossen werden. Seit den Gräueln des zerfallenden Jugoslawiens leben Kroaten und Bosniaken durch den Fluss strikt voneinander getrennt und so erhält das ohnehin schon explosive Stadtderby zwischen dem (mittlerweile) bosniakischen FK Velež und dem kroatischen HŠK Zrinjski zusätzliche Brisanz. Dorthin war es nach schmackhaften Ćevapi und einem kühlen Sarajevsko Zeit, mit ein paar gerade kennengelernten Fans von Velež aufzubrechen, genauer in den nördlichen Stadtteil Vrapčići. Hier spielen die Roten seit dem im Anschluss an den Krieg erzwungenen Auszug aus dem Stadion pod Bijelim Brijegom, mit dem sie bis heute die Sternstunden der Vereinsgeschichte, die beiden Triumphe im Kup Jugoslavije 1981 und 1986 sowie das UEFA-Pokal-Viertelfinale 1975 verbinden und welches nun der verhasste Stadtrivale besetzt hält. Zrinjski hingegen war aufgrund seiner kroatisch-patriotischen Gesinnung von den jugoslawischen Machthabern weniger gut gelitten und 47 Jahre lang kurzerhand komplett verboten. Bedingungen, wie sie nicht bei vielen Derbys vorherrschen. Dass jedoch wieder einmal keine Gästefans zugelassen sein würden, war schon im Vorhinein klar gewesen, und sportlich gesehen hätte Velež dem Kontrahenten theoretisch noch die Meisterschaft verderben können, wenn, ja wenn in Bosnien bei Punktegleichheit das Torverhältnis und nicht der direkte Vergleich zählen würde. Diesen hatte Zrinjski gegen den Verfolger Široki Brijeg bereits für sich entschieden und somit ging es „nur“ noch ums Prestige, doch das wird hierzulande in Ehren gehalten. Die Choreo der Red Army 1981 mit der Aussage „Mostarski div se budi“ (Mostars Riese erwacht) passte gegen den frisch gebackenen Meister vielleicht nicht ganz, doch ansonsten machte man Zrinjski schon das Leben zur Hölle. Insbesondere die „Haupttribüne“ deckte die Spieler des Feindes immer wieder mit Böllern, Dosen, Flaschen und was sonst noch so zu greifen war ein und als manche irgendwann meinten, dass es nun genug sei, gab es auch noch untereinander Haue und ein paar Schuhsohlen in die Visage. Wenn sportlich auch wertlos, man merkte doch, wie wichtig der 1:0-Sieg für die Gemüter war.

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Impressionen Mostar

Mostar, schon der Name birgt das weitverbreitete slawische Wort „most“ für „Brücke“ in sich. Mostari nannte man die hier einst ihren Dienst verrichtenden Brückenwächter, und diese bewachten ein wahres Meisterwerk der damaligen Brückenbaukunst, das heute als Stari Most oder Alte Brücke bekannte Wahrzeichen Mostars, das in architektonisch einzigartiger Weise den Fluss Neretva überspannt. Doch es wäre unangebracht, Mostar und seine zahlreichen verwinkelten Gassen auf diese Ikone zu beschränken. Die größte Stadt der Herzegowina wurde inmitten eines Talkessels zwischen den Bergmassiven Velež und Čabulja erbaut und dankt dieser eingebetteten Lage ihre Eigenschaft als wohl heißester, sonnigster und zugleich regenreichster Ort des Landes. Einen entscheidenden Aufschwung erlebte Mostar unter der Herrschaft der türkischen Osmanen, die mit ihrer 1566 vollendeten Steinbrücke, der Karađozbeg-Moschee und vielen weiteren Bauten bleibende Eindrücke hinterließen. Was später zwei Weltkriege und die rasch wechselnden Regimenter von Österreich-Ungarn und zweier Jugoslawien, von Monarchen, Faschisten und Kommunisten überdauerte, hielt 1993 während des Bosnienkriegs einem gezielten kroatischen Beschuss nicht mehr stand. Die Stari Most kollabierte, ihre weißen Steine stürzten in die Fluten der Neretva, christliche Kroaten und muslimische Bosniaken lebten fortan auch durch Vertreibungen auf beiden Seiten des Flusses voneinander getrennt. Doch seit 2004 verbindet die in der Zwischenzeit vollständig rekonstruierte Brücke verschiedene Religionen, Kulturen und Ethnien wieder miteinander, ein Jahr später feierte die gesamte Altstadt ihre Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe. Mostar erstrahlt von Neuem als eine der schönsten Städte des Balkans, während Einschusslöcher und Kriegsruinen als stumme Zeugen an vergangene und doch nicht allzu ferne Gräueltaten erinnern.

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Fünf Stadien…

… im Bayerischen Fußballverband

Max-Morlock-Stadion – Nürnberg

Arena München – München

Rosenaustadion – Augsburg

Sportpark Ronhof – Fürth

Städtisches Stadion an der Grünwalder Straße – München

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Polen-Tour

Nach dem Freitagsspiel in Braunschweig gedachte man es sich am Wochenende bei schönstem Wetter mal wieder im Nachbarland Polen gut gehen zu lassen. Also machte sich eine Autobesatzung von vier Unentwegten auf den Weg nach Berlin, wo man den Abend noch locker ausklingen lassen und den Einzug in die nächste Pokalrunde begießen wollte. So erreichten wir kurz nach mitten in der Nacht die sogenannte Bundeshauptstadt und entschieden uns nach dem Einchecken im „Hotel Adamshof“ in Pankow, kostenneutral zum Prenzlauer Berg zu schippern, wo es im einschlägigen Szenelokal „Gun Club“ noch zu einigen exzessiven Stunden mit den zahlreich vertretenen Atzen und Hefeschnapstrinkern kommen sollte. Irgendwann nach Sonnenaufgang fanden wir auch den Rückweg wieder und konnten doch noch eine Mütze Schlaf mitnehmen, ehe man zu eigentlich viel zu früher Stunde aus seinen schönen Träumen gerissen wurde.

Ein brütend heißer Tag bahnte sich an, die Sonne hatte ihren Zenit bereits erreicht, doch nach einem netten Imbiss war man um die Mittagszeit einigermaßen wiederhergestellt und bereit, zum Spielort des Abends im rund 140 Kilometer entfernten Szczecin aufzubrechen. Nun überlegte es sich auch unser Gastgeber, auf seine alten Tage noch unter die Hopper zu gehen, und so düste man zu fünft gen Ostsee. Da das Spiel erst um 20:30 Uhr angepfiffen werden sollte, nutzte man die Zeit noch entsprechend und suchte sich ein nettes Fleckchen Strand außerhalb der Stadt, wo man sich für eine Weile die Sonne auf den Bauch scheinen ließ und die einheimische Damenwelt begutachtete, die ebenso wie das Wetter zu überzeugen wusste. Da wir jedoch nicht nur zum puren Vergnügen da waren, hieß es irgendwann zum Ground aufzubrechen.

Pogoń Szczecin – GKS Katowice 3:0

Ziel war das Stadion Miejski im. Floriana Krygiera, welches nach kurzer Sucherei („Entschuldichung, wo geht’sn hier zum Fußball?“) auch aufgespürt werden konnte. Nach erfolgtem Fußmarsch und dem Passieren der Stadiontore stand man eine Kiełbasa später auch sogleich in der riesigen Schüssel, welche über eine Haupttribüne mit urigem Ostblockdach, eine Gegengerade und eine Kurve verfügt. In selbiger stehen auch die Heimfans, während die Gästeanhänger am anderen Ende der Gegengeraden untergebracht sind, im heutigen Fall die Jungs von GKS Katowice, deren Auftritt wir ob unseres Standorts allerdings nicht so recht beurteilen konnten. Unterstützt wurde der Gästepöbel von der Torcida aus Zabrze, welcher wir auf dieser Tour nicht zum letzten Mal über den Weg laufen sollten. Überhaupt ist Polen bekannt für sein unübersichtliches und bisweilen wechselndes Geflecht von Fanfreundschaften und Bündnissen, sodass es nicht selten vorkommt, dass man so manche Zaunfahne an einem Wochenende gleich mehrfach zu Gesicht bekommt. Zaunfahnen wären auch gleich ein weiteres Charakteristikum der polnischen Fanszene, denn kaum irgendwo sonst auf der Welt gibt es wohl solch schön gestaltete Banner wie im Land zwischen Oder und Bug. So auch die Beflaggung der Pogoń-Fans, welche ihre riesigen Exemplare im kompletten Stadion aufhängten. Gern gesehene Gäste sind in der Ostseestadt übrigens die Fans von Legia Warszawa, was man nicht zuletzt durch zahlreiche Freundschaftsartikel nach außen zu tragen weiß. Nachdem wir uns also am Rande der Gegengeraden positioniert hatten, betraten die Mannschaften auch schon den grünen Rasen und die Heimkurve präsentierte eine Blockfahne mit der Aufschrift „Polska“ und dem polnischen Wappen. Zudem hing während der kompletten ersten Halbzeit ein Gedenkbanner für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen polnischen Soldaten, exakt ein Monat vor dem 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen. Jedenfalls begann das Spiel ziemlich träge und die erste Hälfte konnte man sich getrost schenken, sodass die Stimmung im weiten Rund auch nicht gerade am Überkochen war. Dies sollte sich in Durchgang zwei jedoch schlagartig ändern. Zunächst versank die Heimkurve in einem Meer aus Konfetti und Kassenrollen, worauf der Einsatz von blauen und roten Fahnen in allen erdenklichen Formen und Größen folgte. Den Zeitpunkt für die Aktion hatte man nicht schlecht gewählt, denn just in diesem Moment konnte Pogoń das 1:0 markieren, woraufhin die Meute gut am Abdrehen war. Fast jeder der mit 12.000 äußerst zahlreich Erschienenen beteiligte sich nun inbrünstig an den Gesängen und in der Kurve und auf der Haupttribüne erhellten einige Bengalos den Stettiner Nachthimmel. Zehn Minuten später fiel das 2:0 und nun entledigte sich ein Großteil der Kurve auch seiner T-Shirts. Das 3:0 in der Nachspielzeit setzte den Schlusspunkt unter einen deutlichen Heimsieg, was noch ausgiebig gefeiert wurde und uns zufrieden gen Auto schreiten ließ. Zurück in der Spreemetropole beschlossen wir nach Beratungen, wo es am nächsten Tag hingehen sollte, den Abend bei unserem Berliner in der Wohnung etwas ruhiger ausklingen zu lassen (es war schon wieder nach Mitternacht), schließlich würde der Wecker am Sonntagmorgen der Nachtruhe erneut ein frühes Ende bereiten, was er dann auch erbarmungslos tat.

Die Wahl war am Vorabend auf das gut 600 Kilometer entfernt gelegene Tychy in Oberschlesien gefallen, das neben dem örtlichen Drittligisten GKS unter anderem bekannt ist für die namhafte und größte polnische Bierbrauerei „Tyskie“. Wir also nichts wie ab in den Süden und nach der Verabschiedung unserer Berliner Atze hatte man auch fast schon wieder die polnische Grenze passiert. Zurück im Gelobten Land bestand die erste Amtshandlung darin, einen der zahlreichen urigen Straßengrills am Rande der Autobahn zu supporten – in Deutschland undenkbar. Unerwartet gut ging es fortan auf Polens Straßen voran und so trafen wir sehr zeitig am Stadion Miejski zu Tychy ein. Dort fand man sich in bestem Milieu wieder, das ein klein wenig an Wrocław im Frühjahr erinnerte: Polnische Problembären wo das Auge hinsah, doch angenehmerweise herrschte durch die Spielkonstellation eine eher entspannte Atmosphäre.

GKS Tychy – Zawisza Bydgoszcz 3:2

Zu Gast war Zawisza Bydgoszcz, ein Mitglied des Dreierbündnisses GKS Tychy – Zawisza Bydgoszcz – Łódzki KS. So tummelten sich vor dem Stadion Fans dreier verschiedener Vereine in Eintracht, allesamt nicht die Unsportlichsten, und besonders die ca. 30 anwesenden ŁKS-Mutanten, die wohl tags zuvor von einer Spielverlegung betroffen waren und die Gelegenheit für einen Freundschaftsbesuch nicht ausließen, machten einen körperlich recht robusten Eindruck. So erstanden wir möglichst kleinlaut unsere Karten und begaben uns ins Rund. Dieses stellte sich als ziemlich baufällig heraus, die überdachte Haupttribüne entpuppte sich als mit Hecken bewachsener Wall, die Kurven waren gesperrt, nur auf der Gegengeraden und seitlich der „Tribüne“ konnte man sich niederlassen. Das taten auf der einen Seite wir und auf der anderen ein bunter Haufen einiger Kibice, während viele andere es vorzogen, das Spiel erzählend irgendwo anders zu verbringen. Der Fanblock unterstützte die beiden Mannschaften auch recht durchgängig, was sich gemeinsam als ziemlich chaotisch erwies, und hatte neben zahlreichen Freundschaftsbannern, welche die weitläufigen Absperrungen zierten, auch noch eine kleine rot-grün-blau-schwarze Fahnenchoreografie im Gepäck. Das Spiel trug sein Übriges zu einem kurzweiligen Sommernachmittag bei und endete nach einigem Hin und Her mit 3:2 für die Lokalmatadoren. Nach dem Abpfiff machten wir uns dann möglichst rasch vom Acker und widmeten uns der Aufgabe Unterkunftssuche. Die Entscheidung fiel zugunsten der nahegelegenen Stadt Katowice, wo man wie gehabt zu viert im Dreierzimmer eines Hotels einfiel und für das eher berüchtigte als berühmte Nachtleben im polnischen Kohlenpott aufrüstete. Auf dem Weg ins Zentrum fielen einem zahlreiche Graffiti des ansässigen Fußballclubs GKS ins Auge, der an nahezu jeder Ecke, Hauswand oder Mauer mit einem Schriftzug vertreten war, und fast ebenso häufig hing das Vereinslogo des verhassten Erzrivalen Ruch Chorzów symbolhaft verkehrt herum am Galgen. Wir jedenfalls machten uns auf die Suche nach Lebenszeichen der Einheimischen, was sich als gar nicht so einfach erwies, und als doch ein vermeintliches Kneipenviertel ausgemacht war staunte man nicht schlecht, war hier doch bereits zur frühen Stunde der Hund begraben. An einer Pizzeria konnte wenigstens fürstlich gespeist werden, ehe wir es mal im „Babylon Nightclub“ versuchen wollten und angesichts horrender Bierpreise so schnell wieder Land gewannen wie wir gekommen waren. Nicht nur guter Rat war also teuer und mangels Alternativen orientierten wir uns zunächst wieder zurück in Richtung Hotel, was sich jedoch als kluger Schachzug und Startschuss für einen doch noch heiteren Abend herausstellen sollte. Am Rande eines nicht sonderlich einladenden Plattenghettos erspähte man aus der Ferne eine Art Bierzelt, wo die Nachbarschaft beim gemütlichen Biertrinken zu beobachten war. Wir natürlich nichts wie hin und tatsächlich konnte man sich hier zu günstigen Konditionen endlich ein paar Halbe genehmigen. Nachdem alle Länderpunktrunden und noch ein paar mehr eingelöst waren, machte der Laden allmählich Anstalten zu schließen. Also noch schnell die letzte Bestellung aufgegeben und sich in bereits etwas angeheitertem Zustand davon überzeugen lassen, doch noch einmal ins „Babylon“ zurückzukehren. Der spontanen Einladung folgend fand man sich auch schon in diesigem Licht auf dem gepolsterten Mobiliar des Clubs wieder, vor sich ein Bier, und die Damen an der Stange begannen ihre Show abzuziehen. Manch einer schaffte es sogar, bei diesen kostenneutral einige Gefälligkeiten abzugreifen, doch als ein Mitfahrer, den es nicht mehr auf den Sitzen hielt, urplötzlich mit den großen Geldscheinen wedelte, war es jäh vorbei mit der Herrlichkeit. Unser Spender verschwand also für einige Zeit und wir verharrten mehr oder minder beachtet in unserer gemütlichen Ecke. Da am Rest der Reisegruppe offensichtlich kein Grosz zu verdienen war, durfte man als alles vorbei war dann auch wieder gehen. So fand ein alles in allem doch recht lustiger Abend ohne weitere Zwischenfälle zu dritt im Doppelbett sein unbeschadetes Ende.

Am nächsten Morgen konnten wir uns ob des nahegelegenen Abendspielorts getrost Zeit lassen und statteten zunächst dem nur wenige Kilometer entfernten Oświęcim, sicherlich besser bekannt unter seinem deutschen Namen Auschwitz, einen Besuch ab. Nach kurzer Verwirrung aufgrund mehrerer miteinander konkurrierender Parkplatzeinweiser, die Autos mit fremdem Kennzeichen wild gestikulierend für ihren jeweiligen Abstellplatz begeistern wollten, passierten wir den Eingang des Konzentrationslagers Auschwitz I mit seiner Toraufschrift „Arbeit macht frei“. Die nächsten Stunden waren geprägt von betretenem Schweigen, denn auch wenn man vor Ort die Spur einer Ahnung bekommt, begreifen oder auch nur sich vorstellen können wird man diese Verbrechen niemals. Deshalb kann ich auch nur jedem empfehlen, ein solches Lager zu besuchen, denn nichts beugt dem eigenen Vergessen, Verdrängen oder gar Leugnen besser vor als die unmittelbare Konfrontation mit den Tatsachen. Nach dieser bitteren Geschichtsstunde mussten wir uns erst einmal stärken, ehe man zeitig zum Stadion im. Ernesta Pohla nach Zabrze aufbrach.

Górnik Zabrze – KSZO Ostrowiec Świętokrzyski 3:1

Ich persönlich war auf den Auftritt der heimischen Torcida ziemlich gespannt, schließlich hatten die Jungs im Frühjahr unter der Woche einen Sahneauftritt in Wrocław abgeliefert und zu Hause sollte da an einem Montagabend ja wohl noch eine Schippe draufzulegen sein. Am Stadtrand grassierte zunächst die pure Trostlosigkeit, doch je näher wir dem Stadion kamen, desto mehr Kibice in rot-weiß karierter Kleidung wuselten über die Straßen. Das Auto geparkt, geriet man angesichts langer Schlangen an den Kassenhäuschen sogar etwas in Verlegenheit. Während die einen sich anstellten, grasten die anderen das Stadionumfeld nach Alternativen ab, und als nach einer halben Stunde keine zwei Meter Boden gutgemacht waren, kramte man angesichts des näher rückenden Anpfiffs vorsichtshalber ein wenig in der Trickkiste, um noch rechtzeitig seine Tickets lösen zu können. Das Stadion war bereits ordentlich gefüllt und vermeldete später mit 15.000 Zuschauern ausverkauft, leider jedoch ohne Gästefans. Wir platzierten uns in einer der Kurven, während der harte Kern der Anhängerschaft des 14-maligen polnischen Meisters, sechsmaligen Pokalsiegers und 1970er Finalisten im Europapokal der Pokalsieger die Gegengerade bevölkerte. Hier hingen neben den Zaunfahnen der Torcida dem üblichen polnischen Freundschaftschaos entsprechend auch Banner der verbündeten Vereine GKS Katowice, ROW Rybnik und Wisłoka Dębica. Górnik legte auf dem Rasen und auch auf den Rängen gleich gut los, geriet aber in der 19. Spielminute in Rückstand. Trotz des jüngsten Abstiegs nach 31 Jahren Ekstraklasa und des nun frühen Rückschlags gegen einen Aufsteiger ließ sich die Heimseite weiterhin nicht lumpen und supportete, einige Male als komplettes Stadion, ihre Mannschaft lautstark mit geschlossenen Hüpf- und Klatscheinlagen. Als Belohnung konnte die Partie noch vor dem Halbzeitpfiff durch einen Doppelschlag gedreht werden. Nachdem man seinen Pausentee in der fleischhaltigen Form einer Kiełbasa zu sich genommen hatte, erhöhte Górnik irgendwann auf 3:1, was die Stimmung auf einem konstant guten Niveau hielt. Somit ließ sich als Fazit ziehen, dass man es an diesem ersten Zweitligaspieltag wohl nicht viel besser hätte treffen können als mit den beiden mit Abstand am besten besuchten Aufeinandertreffen in Szczecin und Zabrze. Pünktlich zur finalen Amtshandlung des Schiedsrichtergespanns strichen wir dann die Segel, schließlich wollten noch knapp 1.000 Kilometer inklusive lustiger Tankstellensuche bewältigt werden, ehe man am nächsten Morgen wieder pfälzische Gefilde erreichte. Do widzenia!

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Konzentrationslager Auschwitz

Holocaust, Schoah, Völkermord – es gibt viele Namen für das eigentlich Unaussprechliche, Unvorstellbare und doch Geschehene. Die „Endlösung der Judenfrage“, das von antisemitischem Rassenwahn geleitete Vorhaben der deutschen Nationalsozialisten, während der Zeit des Zweiten Weltkriegs mit bürokratisch geplanten und fabrikmäßig betriebenen Methoden alle Juden ihres Einflussbereichs zu vernichten, gilt als eines der abscheulichsten Menschheitsverbrechen der Geschichte. Wie kein anderer Ort mit den damaligen Schrecken und Leiden verknüpft ist die Kleinstadt Auschwitz, polnisch Oświęcim, an deren Westrand sich das wohl berüchtigtste Konzentrations- und Vernichtungslager der nationalsozialistischen Tötungsmaschinerie befand und die sich zu einem Synonym für den Holocaust selbst entwickelt hat. Hier nahm im Mai 1940 die SS das Konzentrationslager Auschwitz I in Betrieb, später Stammlager eines ganzen Lagerkomplexes, zu dem auch das Vernichtungslager Birkenau und das KZ Monowitz zählten. Bis zur Befreiung im Januar 1945 wurden unzählige Juden aus weiten Teilen Europas, aber auch Polen, Sinti und Roma oder sowjetische Kriegsgefangene nach Auschwitz deportiert. Sie mussten unter erbärmlichsten Bedingungen Zwangsarbeit leisten, wurden gedemütigt, gefoltert, medizinischen Versuchen ausgesetzt oder direkt nach ihrer Ankunft in Gaskammern geschickt und ermordet. Schätzungen beziffern die Zahl der Todesopfer von Auschwitz auf mindestens 1,1 Millionen, für den menschlichen Verstand schwer fassbare Größenordnungen, welche die zahllosen Einzelschicksale einstmals ein normales Leben führender Menschen in einer anonymen Masse zu ersticken drohen.

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Fünf Stadien…

… im Südwestdeutschen Fußballverband

Franz-Hage-Stadion – Bellheim

Arena Weingarten – Weingarten

Stadion an der Kirschenallee – Mechtersheim

Südpfalzstadion – Landau

Bienwaldstadion – Kandel

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Deutschland Brauhaus Action

Deutschland wird gerne als eine der weltweit führenden Biernationen, als Wiege großer Bierkultur und exzellenter Braukunst gerühmt, deren herausragende Qualität und enorme Vielfalt man allerorten schätzt. Im Ursprungsland des Reinheitsgebots wird Bier als ein Kulturgut verstanden, das man noch heute am authentischsten in Brauhäusern, auf Volksfesten und in Biergärten zelebriert. Die Ursprünge im vorgeschichtlichen Dunkel der menschlichen Sesshaftwerdung verborgen und in Frühformen bereits den ersten Hochkulturen und antiken Reichen bekannt, war es vom berauschenden Getränk der „barbarischen“ Germanen über die erforschende Weiterentwicklung des Brauprozesses in den mittelalterlichen Klöstern und die Gründungen von bürgerlichen Brauereien in den überall entstehenden und wachsenden Städten bis zu den heutigen Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe jedoch ein weiter und steiniger Weg. Während nur wenige Klosterbrauereien die Zeitenstürme überdauerten, stieg die Zahl der weltlichen Braustätten hingegen stetig an. Auch dank des technischen Fortschritts blühte das Brauhandwerk und schuf eine facettenreiche Palette an ober- und untergärigen, hellen und dunklen, filtrierten und unfiltrierten Bieren zahlreicher Stile wie Pils, Lager, Export, Märzen, Weizenbier, Schwarzbier, Bockbier, Alt oder Kölsch. Doch dann setzte mit der fortschreitenden Globalisierung ein rasantes Brauereisterben ein, immer mehr kleinere und mittlere Betriebe wurden aufgekauft und stillgelegt, fusioniert oder mussten aus anderen Gründen schließen. Inzwischen scheint die Trendwende aber geschafft, die einzigartige Brauereidichte erhalten zu bleiben, denn seit einigen Jahren steigt die Zahl der Braustätten von Neuem und macht den deutschen Biermarkt wieder abwechslungsreicher, trotz eines paradoxerweise immer noch konstant sinkenden Bierausstoßes und Pro-Kopf-Verbrauchs. Auch wenn omnipräsente Massenbiere ohne eigenen Charakter nach wie vor über die Fernsehbildschirme flimmern und das Angebot eines nahezu jeden Getränkemarkts dominieren, behaupten sich junge und lokale Klein- und Kleinstbrauereien und beleben die Vielfalt der deutschen Bierlandschaft. Über 1.500 Braustätten darf die Biernation Deutschland nun wieder in ihren Statistiken ausweisen, und wie immer entscheidet auch in Zukunft der Verbraucher, wohin die Reise gehen wird.

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